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1. Demokratiekonferenz in Neumünster


Demokratie leben! – Rund 70 engagierte Neumünsteraner fahnden im Kiek In nach Rezepten gegen Vorurteile, Hass und Ausgrenzung

Neumünster Neumünster will mitmachen beim Kampf gegen populistische Patentrezepte von Demokratiegegnern und Ausländerfeinden. Gut 80 engagierte Neumünsteraner trafen sich am Donnerstagabend im Kiek In an der Gartenstraße, um auf der ersten Demokratiekonferenz Ideen zu entwerfen, wie man Vorbehalte gegen Fremde abbauen, für ein friedliches Miteinander mit Flüchtlingen werben und demokratischen Spielregeln wieder mehr Rückhalt verleihen kann.

Mit 50 000 Euro unterstützt das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ die Bemühungen Neumünsters im kommenden Jahr. An vier Thementischen diskutierten die Teilnehmer über mögliche Ansätze.

MUslimische Gemeinde in Neumünster

Wie an den meisten Tischen ging es auch hier zunächst um Bestandsaufnahme: Wie fühlen sich „die“ Muslime in der Stadt, mit welchen Problemen schlagen sie sich herum? Was wissen wir Einheimischen überhaupt über sie? Eine Sorge treibt offenbar viele Muslime auch in Neumünster um: Das Gefühl, sich vor dem Hintergrund islamistischen Terrors dafür rechtfertigen zu müssen, was einige wenige im Namen des Islams verbrechen. Nichtmuslime am Tisch räumten ein, dass das Wissen über den Islam trotz mancher Versuche sich anzunähern, (offene Moschee, interreligiöses Gespräch) doch eher gering ist.

Diskriminierung

Diskriminierung ist ein Ding, das man grundsätzlich nur bei anderen findet, wusste schon vor Jahren ein kluger Kabarettist. So gesehen war Peter Kleinjung, Pressesprecher der Feuerwehr, schon mutig, als er sich am Thementisch als erster vorstellte: „Diskriminierung kennen wir bei uns nicht, aber ich möchte gerne wissen, wer sie empfindet und was man dagegen tun kann.“ Tatsächlich bekam er Zustimmung. Die Feuerwehren gelten, wie mehrere Teilnehmer in der Runde bestätigten, durchaus als Vorreiter, wenn es um vorurteilsfreie Integration geht. Allerdings waren in der Runde auch schnell Beispiele für täglich (mit)erlebte Diskriminierung gefunden: Dass es Menschen mit exotischen Namen oder dunkler Hautfarbe schwerer fällt, etwa eine Wohnung zu finden, gilt bei Insidern als ausgemacht. Mögliches Gegenmittel: Miteinander sprechen, aufklären, kennenlernen.

Umgang mit Rechtspopulismus

An diesem Tisch ging es mit Abstand am lebhaftesten zu, und das lag keinesfalls nur am heißen Thema Internet und „Fake News“. Warum hat eine Falschmeldung im Internet mehr Zuspruch als eine recherchierte Nachricht in der Zeitung, eröffnete Henning Möbius, Vorsitzender vom Runden Tisch für Toleranz und Demokratie, die Debatte und fragte besorgt in die Runde „Wie erreichen wir die Jugend?“. Eine ältere Dame am Tisch machte – wenn auch unabsichtlich – klar, dass sich Rechtspopulismus keineswegs nur aus dem „bösen“ Internet speist. Sie legte Courier-Artikel auf den Tisch , in denen die Räuber als schwarzhaarig und mit dunklem Teint beschrieben wurden und klagte: „Meine Freundinnen trauen sich doch abends kaum noch auf die Straße.“ Dass in unzähligen Polizei- und Gerichtsberichten die Täter weder schwarze Locken noch fremde Namen tragen, die These von den unsicheren Straßen niemand am Tisch bestätigen konnte, wollte sie schon nicht mehr hören. Sie verließ die Demokratiekonferenz nach kurzer, aber heftiger Debatte.

Luxus Demokratie?

Die Blitzumfrage, die ein Internetportal unter Jugendlichen in den Sozialen Medien startete, schreckte auch viele auf, die sich nicht regelmäßig bei Facebook & Co. tummeln. Erschreckend viele Jugendliche bezweifeln danach den Sinn der Demokratie. Vielen erscheint sie als schwerfällig, langwierig, ineffektiv. Sei es da nicht sinnfälliger, gleich einen zu benennen, der bestimme, wo es lang geht? Auch in Neumünster verstört diese These von der undemokratischen Jugend. Mit zwölf Teilnehmern war dieser Thementisch am stärksten besetzt. Ermutigende These der Gruppe: Demokratie ist lernbar, und zwar schon von Kindesbeinen an. Das Elternhaus, aber auch Kitas und Schulen seien gefragt, die Vorteile demokratischer Entscheidungen schon für Kinder erfahrbar zu machen. „Wir müssen in die Kitas und Schulen“, forderte Berenike Schwarz vom Kieler Antigewalt- und Sozialtraining.

Irgendwie habe er das alles vor 30 Jahren schon einmal gehört, bekannte eine Zuhörer frustriert in der Schlussbilanz der Konferenz. Ein junge Frau brachte das Gegenargument: „Demokratie muss immer wieder neu gelernt werden.“ Jens Bluhm

 

Quelle: http://www.e-pages.dk/holsteinischercourier/1661/article/668269/9/3/render/?token=6ac6b670f0565a566ae89ec63a9b3db9

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Das KAST arbeitet in erster Linie für die Opfer der Trainingsteilnehmer. Das Opfer steht im Mittelpunkt und hat die höchste Priorität, denn hinter jeder Gewalttat stehen unzählige sekundäre Opfer. Wir arbeiten mit dem Täter, aber immer und grundsätzlich im Auftrag der Opfer, denn die Opferarbeit ist der Schlüssel zur Täterarbeit.

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